Gläserne Privatgärten

Wohlfühloasen nach individuellem Geschmack

Die Gläsernen Gärten stecken an: Vom Skulpturenpark inspiriert, zieren immer mehr Frauenauer auch ihre Privatgärten mit Glas. Wir stellen fünf Gärten vor – und freuen uns, wenn die Beispiele künftig noch mehr Nachahmer finden.


Ursula und Helmut Schneck

GläGä Schneck1

Auf Du und Du mit Pablo Picasso, Helmut Kohl und Harvey Littleton: Ursula und Helmut Schneck besitzen keinen Garten, sie hüten einen Kunstpark. Sechs gläserne Köpfe des Künstlers Erwin Eisch haben die Schnecks in ihrem grünen Idyll – nicht installiert, sondern inszeniert. Neben Kohl und Co. schmücken unter anderem Hüttenbegründer Valentin Eisch und Frauenaus verstorbener Alt-Bürgermeister Alfons Hannes die ausnehmend geschmackvoll gestalteten Blütenmeere. Ungeachtet der Entstehung der Gläsernen Gärten, hat Helmut Schneck schon lange Jahre zuvor begonnen, seinen Garten mit Glaskunst zu bestücken. Für Schneck kein sonderlich schwieriges Unterfangen, wie er sagt, war er als ehemaliger Betriebsleiter bei Eisch doch täglich auf Tuchfühlung mit Glas. Und mit den Künstlern. „Ich habe mir meistens deren Prototypen geschnappt “, erinnert sich Helmut Schneck. Eine Libelle von Atschi Achatz zum Beispiel. Das Insekt „lebte“ bereits bei den Schnecks, als der Zwiesler Glaskünstler in der Szene noch völlig unbekannt war. Glas und Garten scheinen bei Helmut Schneck ohnehin untrennbar zusammenzugehören: Abgesehen von seinem eigenen grünen Reich hat er auch die „offiziellen“ Gläsernen Gärten entscheidend mitgeprägt – und ist nun drauf und dran, den Buchenauer Schlosspark mit weiterer Glaskunst aufzuwerten. Auf sein großes Engagement angesprochen, gibt sich Helmut Schneck gewohnt bescheiden: „Ich bin ja Rentner und habe Zeit.“


Christa Hackl und Loni Stephan

GläGä Hackl1Seit ihrer Schulzeit sind die beiden unzertrennlich – und so verstand es sich ganz von selbst, dass Christa Hackl und Loni Stephan auch ihren Garten gemeinsam gestalten. Als die „offiziellen“ Gläsernen Gärten 2009 langsam Form annahmen, wussten die Freundinnen schnell: „Bei dem Projekt machen wir mit und bestücken auch unseren Garten mit Glas.“ Über die Jahre haben Christa Hackl und Loni Stephan eine stattliche Sammlung an gläsernen Kugeln, Spitzen, Scheiben, Flammen und Tieren zusammengetragen und liebevoll in ihrem Garten arrangiert: Zwischen den Blumen lugt eine gläserne Gans hervor, auf den Zweigen eines Zierstrauchs thront frech ein bunter Papagei, nur ein paar Meter daneben schießt ein zerbrechlicher Fliegenpilz aus dem Boden – und im Steingarten ist wohl gerade ein gläsernes Ufo gelandet. Für die beiden Freundinnen (im Bild mit Ziehkind Ida) ist die Gestaltung ihres persönlichen gläsernen Gartens noch lange nicht abgeschlossen: „Sobald uns irgendwo ein neues Objekt anlacht, das uns beiden gefällt, schlagen wir zu“, gesteht Christa Hackl ihre gläserne Kauflaune. Dabei achtet sie akribisch darauf, dass das Glas, mit dem sie ihren Garten ziert, aus der Region kommt. Freundin Loni pflichtet bei: „Schließlich kommt uns Importware nicht vors Haus.“


Franziska Hentschel

GläGä Hentschel2Franziska Hentschel ist ein Farbenmensch: Sie mag blau, rot, grün, braun – „eigentlich alles, sofern es hinpasst“, lacht sie. Dass die rührige Frauenauerin neben Farben auch die Ordnung liebt, ist ihrem gläsernen Garten anzumerken, denn der ist akribisch nach Farben sortiert: Hier ein Areal ganz in Blau, dort eine Ecke in Rot, zwischendrin eine Zone mit orange-bernsteinfarbenem Akzent. „Das Kunterbunte bringt mich aus der Ruhe“, erklärt Franziska Hentschel. Schließlich ist es der Ausgleich zum turbulenten Alltag, der sie regelmäßig in den Garten lockt. Auf weit mehr als 1000 Quadratmetern hat sich Franziska Hentschel eine grüne Oase geschaffen, deren originell angelegte Blumenrabatten mit Glaskunst bestückt sind. Eine Leidenschaft, der Franziska Hentschel seit etwa drei Jahren nachgeht. „Nach und nach sind immer mehr gläserne Objekte dazugekommen“, erzählt sie. Ein Ende ihrer Kreativität ist längst nicht in Sicht, vielmehr tariert Franziska Hentschel momentan aus, welche gläsernen Applikationen sie demnächst „pflanzen“ will. „Grün könnte ich mir gut vorstellen“, überlegt sie und deutet auf eine Stelle, an der derzeit noch ein Kiefernstrauch steht. Wenngleich: „Vielleicht passt auch braun als Ersatz für den maroden Baum.“ Welche Farbe Franziska Hentschel letztlich wählt, wird sich zeigen. Sicher indes ist: „Wenn ich nicht mehr im Garten arbeiten könnte, dann wäre ich nicht mehr ich selbst.“


Elisabeth und Hans Auerbeck

GläGä Auerbeck1Los ging’s mit den Flammen. Als davon (fast) alle Farben und Formen geschaffen waren, kamen die gläsernen Blumen hinzu. In einer Detailgenauigkeit, die nur ein wirklich talentierter Glasmacher beherrscht. Einer wie Hans Auerbeck. Dass er und seine Frau Elisabeth passionierte Gartengestalter sind, sieht man ihrem Terrain auf den ersten Blick an. Mit viel Geschmack und Liebe für aufwändige Arrangements haben die beiden ihren Garten in ein kleines Paradies verwandelt, worin es allerlei Gläsernes zu bestaunen gibt: Kugeln, Zwiebeln, ofengezogene Fantasieobjekte, filigrane Windspiele, hauchdünne Platten – und eben besagte überlebensgroße Blüten samt Stempel und Stängel. Der Garten der Auerbecks fügt sich nahtlos an die Gläsernen Gärten des Poschinger-Areals an. „Wir haben die offiziellen Gärten einfach um unseren Privatgarten erweitert“, erzählt Elisabeth Auerbeck und setzt schmunzelnd hinzu: „Oft merken die Leute das gar nicht. Sie flanieren dann durch unser Grundstück und bestaunen die Glasobjekte meines Mannes.“ Der hat übrigens schon wieder weitere Kunstwerke in Planung. Welche genau, verrät der Glasmacher nicht. Nur eine Idee gibt Hans Auerbeck preis: „An unserem Bachlauf fehlt ein Wasserrad. Das muss ich den Winter über machen.“ Natürlich aus Glas.


Carmen und Hugo Auerbeck

Auerbeck Hugo2Mit der gläsernen Hausnummer nahm alles seinen Lauf. „Mach doch mal einen Fusing-Kurs“, sagte Carmen Auerbeck vor gut einem Jahr zu ihrem Mann. Voller Vorfreude auf die Hausnummer, die Hugo Auerbeck für die Fassade gestalten sollte. Dass es bei Nummer 17 nicht blieb, konnte Carmen Auerbeck zum damaligen Zeitpunkt freilich nicht ahnen. Denn ihr Mann hat nicht nur sein Interesse für die gläserne Technik entdeckt, sondern beinahe eine Manie entwickelt: „Mittlerweile besuche ich die Fusing-Werkstatt regelmäßig“, erzählt der pensionierte Berufssoldat. Was dabei rauskommt, beweist sein Garten: Bereits am Eingang begrüßen fünf gläserne Flammen den Gast: „Sie stehen für die fünf Elemente nach Feng Shui“, erklärt Hugo Auerbeck und ergänzt fast entschuldigend, dass er normalerweise nicht an die fernöstliche Lehre glaubt. In den liebevoll angelegten Rabatten stecken die unterschiedlichsten Objekte – abstrakte genauso wie gegenständliche, etwa ein farbenprächtiger Schmetterling. Er weist den Weg zur erhöhten Sitzecke, von wo aus die Auerbecks ihren Garten zu jeder Gelegenheit genießen. Wenn nicht gerade der nächste Fusing-Kurs ansteht. „Eine gläserne Sonne habe ich noch im Kopf“, weiß Hugo Auerbeck: „Und irgendwas für die Gartenmauer.“ Danach will er eine kurze Fusing-Pause einlegen. Denn: „Zu viel Glas im Garten ist auch nichts. Das wird ja dann kitschig.“

(Text/Fotos: Alexandra von Poschinger, veröffentlicht in: Passauer Neue Presse, Bayerwald-Bote, 11. August 2012))